Das Autogene Training wurde in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts durch den Neurologen und Psychiater Dr. Johannes Heinrich Schultz als Methode zur konzentrativen Selbstentspannung entwickelt. Schultz wurde am 20 Juni 1884 in Göttingen geboren. 1915 habilitierte er für das Fach Neurologie und Psychiatrie in Jena, wo er später zum Professor ernannt wurde. Danach leitete er verschiedene Institute unter anderem 9 Jahre das „Berliner Institut für Psychotherapie“. Schließlich ließ er sich als Nervenarzt mit freier Praxis in Berlin nieder, wo er am 19. September 1970 verstarb.

In seinem umfangreichen Lebenswerk (ca. 400 Publikationen) nimmt das Autogene Training eine herausragende Stellung ein. Schultz selber schreibt dazu: Die Konzeption der diesem Verfahren zugrunde liegenden Anschauungen reicht ziemlich weit zurück; sie wurde in den Jahren 1908 – 1912 vollzogen und fand ihren indirekten literarischen Niederschlag in meiner ersten Darstellung der Psychoanalyse, und in der 1911 abgeschlossenen Bearbeitung der hypnotischen Technik in H. Vogts 1916 erschienenen Handbuch der Therapie der Nervenkrankheiten, die 1935 als Einzelbroschüre verbessert wieder erschien. Es waren namentlich Arbeiten von Oskar Vogt [er brachte die Hypnoseforschung durch die Differenzierung von Fremd- und Autohypnose entscheidend weiter], die mir damals den Blick für die in Frage stehenden Möglichkeiten öffneten. O. Vogt hat in seinen grundlegenden hypnotischen Studien darauf hingewiesen, dass es bei gebildeten und kritischen Versuchspersonen abgängig sei, die Umschaltung in den hypnotischen Ausnahmezustand der Selbstentscheidung der Versuchspersonen zu unterstellen, und teilte eine Reihe von Beobachtungen mit, nach denen Versuchspersonen der geschilderten Art in der Lage waren, sich selbst durch eine Ganzumschaltung in den hypnotischen Zustand zu versetzen, eine „Autohypnose“ bei sich herbeizuführen. O. Vogt betonte schon damals (1893-1900) die praktische Bedeutung dieser Befunde und konnte neben Allgemeinwirkungen positiver Art insbesondere auch die erhöhte Fähigkeit seiner Versuchspersonen zu aufklärender psychologischer Selbstbeobachtung dartun.“(Schultz 1960, S. 1)

Schultz und seine Entdeckung zum Autogenen Training

Schultz hat aufgrund verschiedener Berichte seiner Hypnose-Patienten entdeckt, dass diese häufig bestimmte Angaben über eigenartige körperliche Allgemeinempfindungen machten. Diese Empfindungen waren gekennzeichnet von wiederkehrenden Schwere- und Wärmeerlebnissen in allen Gliedmaßen sowie eine Ruhigstellung von Herz und Atmung. Weiter kamen Zustände der angenehmen Müdigkeit, der Angstfreiheit und Ausgeglichenheit hinzu. Im Gegensatz zu anderen Hypnoseärzten, welche diese körperlichen Empfindungen von Entspannung als Nebenerscheinung der Hypnose abtaten, stellte Schultz diese ins Zentrum seiner Überlegungen. Er kam zum Schluss, dass durch ein willentliches Herbeiführen dieser Empfindungen ein der Hypnose vergleichbarer Zustand erreicht werden kann. Der Grundstein für die Entwicklung eines aktiv-autohypnoiden Verfahrens, im Gegensatz zu den passiv-autohypnoiden Verfahren der Hypnose, war gelegt. Ziel des Verfahrens ist es, dass die Patienten erlernen, sich selbst in Hypnose zu versetzen und somit ohne externen Einfluss eines Hypnotiseurs (Fremdhypnose) diesen Zustand der Ruhe und Entspannung herbeizuführen.

1926 berichtete Schultz zum ersten Mal in einem Vortrag über seine neue Methode, die er zu beginn als „Autogene Organübungen“ bezeichnete. 1927 gab er seiner Methode den Namen „Rationalisiertes autosuggestives Training“ bis dann im Jahre 1928 erstmals der Name „Autogenes Training“ verwendet wurde. 1932 erschien das grundlegende Werk von Schultz: „Das Autogene Training – konzentrative Selbstentspannung“, welches heute in der 18. Auflage vorliegt. In den 60er und 70er Jahren fand das Autogene Training eine weite Verbreitung, was sich aufgrund der vielen erschienene Bücher zurückschließen lässt. Heute ist das Autogene Training eines der bekanntesten Entspannungsverfahren in Europa. Neben seinem Einsatz als therapeutische Methode wird es auch zur Gesundheitsförderung und als Selbstmanagementtool eingesetzt. (vgl. Kraft 2004, S. 3-5 und Schultz, 1960, S. 6-12)

Autogenes Training – was ist darunter zu verstehen

Die Bezeichnung autogenes Training setzt sich zusammen aus dem griechischen ,autos = selbst’ und ‚gen = werden’. Also ein aus sich selbst entstehendes Training (=Üben) zum Erreichen eines tiefen Entspannungszustandes. Ziel des Trainings ist es, den Körper bei klarem Bewusstsein in einen schlafähnlichen Zustand zu versetzen.

Um das Autogene Training erfolgreich zu erlernen, braucht es nach Schultz einzig die Motivation, es lernen zu wollen und das regelmäßige, zwangslose Üben. Weitere Aspekte, die bei der richtigen Anwendung des Autogenen Trainings wichtig sind, ist die Autonomie. Also die selbstständige Durchführung der Übungen ohne Fremdhilfe und die Förderung der Autarkie, welche für ein sich selbst sorgen steht.

Literatur:
Schultz, J. H. (1960) Das autogene Training: konzentrative Selbstentspannung; 10., wesentlich erweiterte und verbesserte Auflage. Georg Thieme Verlag
Kraft, H. (2004)Autogenes Training: Handbuch für die Praxis. Deutscher Ärzteverlag

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